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Wussten Sie, dass es auf der Lieblingsinsel der Deutschen seit 1875 Schienenverkehr gibt? Und nicht nur das. Das ehemalige Netz, das in seiner Blütezeit eine Ausdehnung von ca. 280 km umfasste wird nach jahrelangem Dornröschenschlaf sukzessive wieder aufgebaut und reaktiviert. Selbst umfangreiche Neubauprojekte wurden bereits verwirklicht oder sind fest geplant. Hier zeigt sich, dass die Verantwortlichen der Insel den Stellenwert der Bahn in der heutigen Zeit – in der statistisch gesehen mehr als jeder Zweite ein eigenes Auto hat – erkannt haben.

Der „Rote Blitz“

Der so genannte „Rote Blitz“ ist der Name der sicherlich bekanntesten Bahn auf Mallorca. Er fährt auf der 27,6 km langen Strecke von Palma nach Sóller. Die Fahrzeit beträgt etwa eine Stunde. Am Fuhrpark der Touristenbahn hat sich dabei seit der Modernisierung und Elektrifizierung in den Jahren 1926 bis 1929 nicht viel verändert. Die „Ferrocarril de Sóller“ verfügt über insgesamt vier Elektrotriebwagen (Elektrik stammt von Siemens), 15 Personenwagen und drei Gepäckwagen. Die Spurweite beträgt genau einen englischen Yard (91,44 cm).


Der „Rote Blitz“ kurz vor dem Bahnhof in Palma auf der Straße „Eusebo Estada“, die nach dem früheren Bürgermeister benannt ist.


Nachdem der Zug den Bahnhof von Palma verlässt, fährt er eine zeitlang inmitten der Straße „Eusebi Estada“, die nach dem ehemaligen, eisenbahnbegeisterten Bürgermeister von Palma benannt ist. Nach ein paar hundert Meter und leichten Linkskurven verlässt die Strecke das Straßenplanum und führt durch das flache Hinterland der Insel. Kurz darauf wird der Bahnhof Son Sardina erreicht, an welchem man gerne ganze Reisegruppen einsteigen und extra gecharterte Touristenzüge beginnen lässt. Hier trifft der „Rote Blitz“ seit Kurzem die neue, elektrische Métro zur Palma’s Universität.


Der Schienenstrang fädelt sich an den Randgebieten von Palma für ein paar hundert Meter inmitten der Straße ein, wonach er diese am Bahnhof von Palma durch eine Rechs-Links-Kombination wieder verlässt.


Kurz nach dem Passieren des schönstens Bahnhofs an der Strecke „Bunyola“, erreicht der „Rote Blitz“ nach einer engen Linkskurve die Gärten von Alfàbia und verschwindet dann in einer knapp 3 km langen Tunnelröhre, um das Tramuntana-Gebirge zu überwinden. Danach schlängelt sich die Strecke ins Tal herab, wo sie dann kurze Zeit später den Bahnhof von Sóller erreicht.


Hier steht Triebwagen 2 in Sóller zur Abfahrt nach Palma bereit.


In Sóller befinden sich auch die Betriebsanlagen des „Roten Blitzes“. Hier gibt es Lokschuppen, Drehscheibe und Abstellmöglichkeiten. Ebenso finden sich hier die Betriebsanlagen der Straßenbahn nach Port de Sóller. Beide Strecken sind übrigens mit einem Gleis verbunden.


Sóller selbst verfügt über umfangreiche Gleisanlagen mit Lokschuppen und Drehscheibe.


Die Straßenbahn „El tranvia“

In Sóller startet die ca. 4,5 km lange Straßenbahnstrecke nach Port de Sóller. Sie hat ebenfalls die Spurweite von einem englischen Yard. Seit 1913 zuckeln die 2-achsigen Straßenbahn- und Beiwagen mit vielen Touristen über die ruckligen Gleise. Zur Erweiterung des Fuhrparks beschaffte man im Jahr 1999 weitere Fahrzeuge aus Lissabon. Die Straßenbahnwagen verkehren mit einem oder zwei Anhängern, oder als „Sandwich“ mit je einem Straßenbahnwagen an der Spitze und zwei Beiwagen in der Mitte.


Kurz nach dem Verlassen des Bahnhofs Sóller biegt die Straßenbahn nach Port de Sóller in eine Linkskurve ein und erreicht dann ihren ersten Zwischenhalt.


Nach dem Verlassen des Bahnhofs von Sóller führt die Strecke bergab und macht dann eine Linkskurve über den Platz „Placa de sa Constitució. Im Sommer sind hier zahlreiche Tische und Stühle aufgestellt. „El tranvia“ fährt dann praktisch mitten durch das Straßencafè. Nach dem ersten Halt führt die Strecke quasi durch die Vorgärten der Häuser und verlässt anschließend Sóller um der Hauptstraße nach Port der Sóller zu folgen.


Die letzte Kurve vor dem Bahnhof Sóller führt über einen großen Platz, der im Sommer zum Teil mit Tischen und Stühlen eines Cafés zugestellt ist.


In Sóller führt die Strecke entlang der Promenade und endet erst kurz vor dem Militärgelände ganz am Ende des Hafens. Die Züge stoppen etwas eher an einem Cafè und setzen dort zur Rückfahrt um. Die Fahrzeit von Sóller nach Port de Sóller dauert etwa 30 Minuten, da die Strecke nur eingleisig ist. In der Mitte der Strecke gibt es ein kurzes Umfahrgleis.


Auf dem Weg von Port de Sóller nach Sóller begleitet die Strecke zum größten Teil die Hauptstraße.


Am besten kann man die Straßenbahnen in Port de Sóller beobachten, wenn man sich dort an der Promenade hinsetzt. Dann kann man den ganzen Streckenverlauf von Port der Sóller einsehen.


Im schönen Örtchen Port de Sóller führt die Strecke der Straßenbahn entlang der Promenade.


Am Endbahnhof von Port de Sóller, in dem heute in Cafè untergebracht ist, fuhren übrigens früher die Postkutschen nach Palma los. Auch her gibt es ein Umfahrgleis. Bei viel Betrieb fahren immer zwei bis drei Züge direkt hintereinander in eine Richtung, damit es schneller geht.


Die Strecke endet kurz vor dem Ende der Promenade an einem Cafè, wo die Züge umsetzen können.


Moderner Personennahverkehr

Etwas modernen geht es bei der „t.i.b. (Transport de les Illes Balears) zu. Sie betreibt sehr erfolgreich mehrere Strecken. Zu verdanken ist dies dem Touristen-Boom der 90er Jahre und dem daraus resultierenden gewaltigen Anstieg des Individualverkehrs. Verstopfte Straßen machen ein alternatives Transportsystem nötig. Dies haben auch die Verantwortlichen auf Mallorca erkannt. Daher setzt seit 1994 auf Mallorca eine Trendwende ein. Modere Züge und modernisierte Strecke und Bahnhöfe sind das Ergebnis.


Ganz modern und bequem sind die neuen Dieseltriebwagen der „tib“.


Die erste Strecke auf der Insel überhaupt war die Strecke von Palma nach Inca. Diese wurde 1875 in Betrieb genommen. Sie hatte damals eine Spurweite von einem englischen Yard. Nach einer rasanten Ausdehnung des Streckennetzes über die gesamte Insel, begann jedoch in den 50er Jahren der Rückgang. Viele Strecken wurden abgebaut oder verfielen. Sogar der gesamte Güterverkehr wurde 1967 eingestellt. 14 Jahre danach, im Jahr 1981, kam dann der Aufschwung. Die Strecke von Palma nach Inca wurde von 91,44 cm auf 100 cm umgespurt. Gleichzeitig wurde damit die Strecke nach Sa Pobla abgeschnitten. Erst nach der Gründung der „SFM (Serveis Ferroviaris de Mallorca)“ im Jahre 1994 und der Beschaffung neuer Dieseltriebwagen wurde die Strecke im Jahre 2001 wieder reaktiviert. Zwei Jahre später wurde dann der Streckenabschnitt nach Manacor wiedereröffnet.


Insgesamt drei neue Dieseltriebwagen – einer auf dem Abstellgleis und zwei als Doppeltraktion im Einsatz – sind hier im Bahnhof von Inca zu sehen.


Seitdem gibt es zahlreiche Pläne für Streckenreaktivierungen und auch Streckenneubauten. So beispielsweise von Palma nach Andratx, nach Sóller, nach Alcúdia (hier ist sogar Güterverkehr geplant), nach Artá und Cala Ratjada, sowie nach Felanitx und Santanyi. Diese Strecken sollen alle im Stile der zuletzt erbauten Métro von Palma zur Universität erbaut werden. Man denkt auch an eine Elektrifizierung des bisherigen Dieselnetzes von Palma nach Sa Pobla und Manacor. Die jetzt bestehede Métro-Strecke soll über Valldemossa nach Sóller weitergebaut werden. Auch gibt es Pläne für neue Straßenbahnstrecken in Alcúdia und in Playa de Palma. Man darf gespannt sein, was sich tun wird.


Ganz neu ist die elektrische Métro-Strecke von Palma’s Innenstadt zur Universität hier in Son Sardina.


Spurensuche

Nicht weniger interessant ist die Spurensuche nach Überresten der alten Eisenbahnstrecken. So findet man überall noch zahlreiche Gleisreste, Bahnhöfe, Brücken, Viadukte, Tunnels und auch unterirdische Überbleibsel in Tiefgaragen in Palma.


Durch diesen Tunnel am Fuße der Kathedrale von Palma führte früher die Strecke vom Bahnhof von Palma zum Hafen von Palma.


Interessant ist beispielsweise der Torbogen in der alten Stadtmauer in Palma unterhalb der Kathedrale. Hier verlief früher die Strecke vom Bahnhof von Palma bis zum Hafen von Palma. Es gab zwei Durchgänge: links der kleine Fußgängerdurchgang; rechts der zugemauerte Torbogen der alten Bahnstrecke. Sie verlief nach dem Torbogen parallel zur Stadtmauer. Auf dem jetzt künstlich angelegten See unterhalb der Kathedrale gab es früher einen Rangierbahnhof. Danach bog die Strecke ungefähr an der jetzigen Hauptstraße nach links Richtung Hafen ab.


Das Tor in der Stadtmauer wird heute noch von Fußgänger benutzt; der ehemalige Bahndurchgang ist zugemauert.


Grade wenn man mit dem Auto im Osten der Insel unterwegs ist, findet man noch viele Streckenreste, beispielsweise der alten Strecke nach Artá. Diese sind heute überwuchert oder werden als Fuß- oder Radwege benutzt.


Hier sehen wir Reste der alten Strecke von Palma nach Artá in Son Servera.


Im Bereich des Hafens findet sich nur noch ein kurzes Gleisstück. Wenn man mit dem Auto nach Palma reinfährt und die Kathedrale rechterhand passiert, geht es links zum Hafen. Kurz bevor das Hafenbecken beginnt ist die Fundstelle.


Im Hafen von Palma findet sich noch ein kurzes Stück Gleis, welches den Hafen von der Tordurchfahrt in der Stadtmauer unterhalb der Kathedrale in einer Linkskurve erreichte.


Besuchen Sie doch die schöne Balearen-Insel Mallorca, denn sie hat vielmehr zu bieten als Ballermann, Parties und Bettenhochburgen!


Wo heute das künstlich angelegte Wasserbecken ist, war früher ein Rangierbahnhof.


Text: Daniel Michalsky | Bilder: Daniel Michalsky